Frankreich greift nach den Sternen – Deutschland bleibt noch der WM-Sieg

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Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mussten sich die Franzosen im Viertelfinale dem späteren Weltmeister Deutschland noch knapp geschlagen geben. Nach dem 2:0-Halbfinalsieg dürfen sie nun im eigenen Land vom EM-Titel träumen. Wieder erzielt Griezmann die entscheidenden Treffer. Erst kurz vor der Pause per Elfmeter – nach Handspiel von Schweinsteiger. Dann trifft er 20 Minuten vor Schluss und zerstreut die Bemühungen der DFB-Elf, den Ausgleich zu erzielen. Deutschland war in weiten Teilen des Spiels die dominantere Mannschaft, Frankreich setzte auf eine Defensivtaktik und konterte hin und wieder mit seinen überragenden Offensivkräften. Auf beiden Seiten gab es Torchancen. Am Ende war Frankreich vor dem Tor die effektivere Mannschaft und trägt dank Griezmann den 2:0-Sieg davon.

Griezmann jubelt zusammen mit seinem Teamkameraden: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Griezmann jubelt zusammen mit seinen Teamkameraden: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)

Drei Neue

Im Vergleich zum Italien-Spiel musste DFB-Trainer Joachim Löw verletzungsbedingt und aufgrund einer Gelbsperre die Mannschaft umstellen. Schweinsteiger begann für Khedira (Anriss im Adduktorenbereich). Für Gomez (Muskelfaserriss) rückte Müller in die Spitze. Draxler spielte dafür auf links außen. Für den gelbgesperrten Hummels rückte Höwedes in die Innenverteidigung. Kimmich rückte wieder auf die rechte Außenverteidigerposition. Emre Can gab erstmals sein Debüt bei dieser EM und spielte im Mittelfeld.

Frankreich als erster auf dem Platz

Frankreich ist zu Beginn die aktivere Mannschaft. In der 7. Minute spielt Griezmann Doppelpass mit Matuidi. Mit einer Bewegung lässt er im Strafraum zwei deutsche Abwehrspieler aussteigen und versucht den Ball ins rechte Eck zu schieben. Der ist allerdings nicht hart genug, sodass Neuer den Ball noch rechtzeitig zur Seite abwehren kann.

Deutschland dominiert

Nach gut einer Viertelstunde findet Deutschland immer besser in die Partie und hat in Person von Can seine erste Großchance. Nach einem Pass von Draxler, der von einem Franzosen abgefälscht wird, landet der Ball an der Strafraumkante bei Can. Dieser zögert nicht und schließt direkt ab. Lloris ist rechtzeitig unten und fischt den Ball aus dem linken, unteren Eck.

Kurz darauf probiert es Müller aus gut 25 Metern, bereitet Lloris damit aber keine Probleme, der sicher zupackt.

Das deutsche Team sucht weiter geduldig die Lücke in der französischen Defensive und lässt den Ball in den eigenen Reihen laufen. Schweinsteiger versucht den Ball aus 25 Metern aus halblinker Position in das lange Eck zu zirkeln. Lloris ist zur Stelle und lenkt den Ball über die Latte.

Viele Fast-Chancen

Es kommt hin und wieder zu gefährlichen Situationen im französischen Strafraum, die im letzten Moment geklärt werden können.

Wieder ist es Müller mit einem Distanzschuss. Lloris hat wieder keine Mühe. Müller kommt im bisherigen Turnier nicht in Fahrt und ist für Deutschland nicht der Faktor, der er beispielsweise bei der WM in Brasilien war.

Das französische Team wird weitestgehend hinten eingeschnürt, kann sich aber immer wieder befreien. So auch in der 41. Minute. Evra passt in den Strafraum zu Griezmann. Dieser probiert es aus spitzem Winkel und trifft das Außennetz.

Höwedes in höchster Not zur Stelle

Kurz darauf gewinnt Giroud gegen Boateng ein Kopfballduell im Mittelfeld. Da die Deutschen weit aufgerückt sind, läuft er frei auf Neuer zu. Höwedes sprintet hinterher und blockt Girouds Schuss im letzten Moment, der zu lange zögert.

Schweinsteiger mit erhobenem Arm

Mit dem letzten Angriff der Franzosen erlebt Deutschland praktisch ein Déjà-Vu des Italien-Spiels. Schweinsteiger hat die Hand nach einem Eckball weit oben und diese wird von Evra angeköpft. Nach kurzer Verzögerung, da das Handspiel etwas versteckt war, zeigt der Schiedsrichter auf den Punkt. Griezmann übernimmt die Verantwortung und versenkt den Ball sicher im linken Eck, Neuer entscheidet sich für das andere Eck.

Griezmann überwindet Neuer per Elfmeter: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Griezmann überwindet Neuer per Elfmeter: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)

Damit fängt sich Deutschland kurz vor der Pause das unnötige Gegentor ein. Die ohnehin defensiven Franzosen sitzen nun auf einer 1:0-Führung und müssen an ihrer Defensivtaktik nichts ändern.

In der zweiten Halbzeit versucht Deutschland weiterhin das Spiel an sich zu reißen. Die Franzosen verteidigen diszipliniert. Deutsche Flanken finden bislang keine Abnehmer. Es ist zu spüren, dass ein Brecher-Typ wie Gomez fehlt.

In der 60. Minute muss Boateng verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Für ihn kommt nun Mustafi.

Griezmann weiß, wo das Tor steht

Die Deutschen beißen sich immer wieder an der französischen Defensive fest, während Frankreich sich vor dem gegnerischen Tor keine Blöße gibt. Kimmich legt sich mitten im Strafraum den Ball zu weit vor. Pogba stibitzt ihm den Ball weg und spielt links außen Mustafi aus und flankt mit links nach innen. Neuer patzt und greift daneben. Der Ball landet beim gut aufgelegten Griezmann, der Neuer den Ball durch die Hosenträger schießt und damit sein zweites Tor markiert.

Neuer kommt an Ball: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Neuer kommt an Ball: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Griezmann ist als erster zur Stelle: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Griezmann ist als erster zur Stelle: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Neuer wird getunnelt: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Neuer wird getunnelt: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)

Auch letzte Angriffe der DFB-Elf versiegen

Fast darauf findet Kimmich, nach seinem Fehler, die postwendende Antwort. Sein Schlenzer aus gut 18 Metern landet am linken, oberen Außenpfosten. Lloris wäre chancenlos gewesen.

In der 79. Minute kommt erstmals Leroy Sané zu seinem Einsatz. Schweinsteiger wird dafür ausgewechselt. Die Franzosen lassen sich den Sieg und den Einzug ins Finale nicht mehr nehmen. Kurz vor Schluss findet Kimmich nach einem Kopfball in Lloris seinen Meister. Götze will per Kopf in die Mitte ablegen, köpft aber zu ungenau. Damit endet die Partie.

Bittere Wahrheit für Joshua Kimmich und das deutsche Team: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Bittere Wahrheit für Joshua Kimmich und das deutsche Team: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Besser gut geklaut als schlecht erfunden - der isländische Jubel eint die Franzosen: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)
Besser gut geklaut als schlecht erfunden – der isländische Jubel eint die Franzosen: (Screenshot: Youtube/ZDFsport)

Frankreich zieht in das EM-Finale ein, da sie vor dem Tor die größere Effektivität bewiesen haben. Müller und Götze, auch wenn sie viel für die Mannschaft gearbeitet haben, waren häufig in den entscheidenden Abschlusssituationen nicht konzentriert und entschlossen genug. Auch die kurzfristigen Ausfälle der Schlüsselspieler Hummels und Khedria spielten eine Rolle. Jemand wie Gomez hätte in der massiven Defensive der Franzosen sicherlich hin und wieder Lücken reißen können. Die Franzosen dürfen sich nun bei ihrer Heim-EM im Finale mit Portugal messen. Es bleibt abzuwarten, ob es wieder eine Griezmann- oder eine Ronaldo-Show geben wird – oder jemand anderes zum Protagonisten wird.

— Die Highlights des Halbfinal-Spiels Deutschland gegen Frankreich im Video —

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